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Vom Anfang bis heute – das Wasserschloss Taufkirchen (Vils)
Vom Anfang bis heute – das Wasserschloss Taufkirchen (Vils)
Erste urkundliche Erwähnung
Das Schloss wird 1263 erstmals urkundlich erwähnt, wobei es vorrangig um das Patronatsrecht der Kirche geht.
Als Schlossherr wird Grimoldus von Taufkirchen genannt.
bis
1554
Die Fraunberger
Ab dem 14. Jahrhundert sind, mit kurzen Unterbrechungen, für fast zwei Jahrhunderte, die "Edlen von Fraunberg" die Schlossbesitzer.
Nach Arnold III. von Frauenberg (1377-1416) übernimmt um 1486 Sigmund von Fraunberg das Schloss. Er übergibt es 1522 an seinen Enkel Ladislaus, Graf von Fraunberg zu Haag, der ein stolzer und unnachgiebiger Herrscher war.
Mit ihm brachen die Unruhen der Glaubensspaltung über den Ort herein. Ladislaus war Anhänger der Lehre des Reformators Martin Luther (1483-1546), die er auch durch seine Prediger verkünden ließ.
Nachdem seine Frau Maria Salomé kinderlos verstarb, heiratete Ladislaus im Jahr 1555 in Ferrara die italienische Adelige Emilia Pio Roverella di Carpi, die ihm helfen sollte, seine Nachkommenschaft zu sichern. Die Mittel für eine prunkvolle Hochzeit vershcaffte er sich 1554 durch den Verkauf des Schlosses für 42.000 Gulden an den Kaufmann Hans Jakob Fugger.
bis
1672
Die Fugger
Der Augsburger Kaufmann Hans Jakob Fugger (1516–1575), der einige Jahre das riesige Handelsimperium der Fugger geführt hat, richtete das vernachlässigte Schloss wieder her und baute es wehrhaft für den Kriegsfall aus. Über Jahre hinweg war dieses Schloss für ihn ein geschätzter Aufenthaltsort und die Taufkirchener Hofmark gewann an Ansehen und Bedeutung.
Während der 120-jährigen Herrschaft der Fugger entstanden sowohl die prächtige Schlosskapelle als auch das Bräuhaus (1642).
Im 30-jährigen Krieg (1618–1648) besetzten abwechselnd Schweden, Kaiserliche und Franzosen die Gegend. Durch die wiederholten kriegerischen Ereignisse wurde das Vermögen der Fugger stark in Anspruch genommen. 1658 kam das Schloss zur Zwangsversteigerung, ehe 1672 der Reichsfreiherr Johann Ferdinand von Puech den gesamten Besitz erwarb.
bis
1722
Die Freiherrn von Puech
Johann Ferdinand Freiherr von Puech (1649-1685) erwirbt den Besitz (Hofmark und Schloss) von den fuggern 1672 zu einem Betrag von 40.000 Gulden. Er ließ das Schloss prächtig herrichten und einen großen Lustgarten mit Waserfontänen anlegen.
Sein Sohn Adam von Puech (1670-1722) erweiterte die Hofmark um einige Orte, darunter auch Adlberg. Dort fand einer der meistbesuchten Märkte in Altbayern stat, den er 1689 eigenmächtig nach Taufkirchen verlegte, um den Umsatz seiner Brauerei zu steigern. Er war Herrscher mit despotischen Zügen und scheute sich nicht, seine Interessen mit Gewalt oder mittels Rechtsstreits durchzusetzen.
bis
1898
Wechselnde Schlossherren
Nachdem Adam Freiherr von Puech kinderlos stirbt, wechslen in der Folgezeit die Besitzverhältnisse häufig.
Nachfolgende Schlossherren sind die Edlen von Freyberg, von Rosenbusch, von Lerchenfeld, von Moreau, von Seinsheim (Maximilian von Seinsheim im Bild links) und von Rambertz-Fest.
Franz Peter Freiherr von Rosenbusch (im Bild rechts), der das Schloss ab 1748 besaß, war ein sehr edemütiger Herrscher. So soll er, dem Bericht seines Pflegeverwalters zufolge, nicht nur den Platz zum Bau eines Waisenhauses, sondern auch einen Fonds für die Kinder seiner Dienerschaft und seiner verarmten Hofmarksuntertanen bereitgestellt haben.
1768 verschied Freiherr von Rosenbusch und wurde in der Pfarrkirche Taufkirchen begraben.
bis
1902
Baron von Alvensleben
Nach häufig wechselnden Schlossbesitzern erwarb 1898 Baron Gebhard von
Alvensleben das Schloss. Er stammte aus Pommern und stand bei der russischen Gesandtschaft in Staatsdiensten. Mit dem Kauf wollte er für seine russische Frau,
einer reichen Bankierstochter, einen standesgemäßen Wohnsitz schaffen.
Gebhard von Alvensleben ließ insbesondere die beiden sehr markanten Türme am Ost- und Westflügel errichten und gab dem Schloss das heutige Aussehen in Formen der Neurenaissance. Die Umbaumaßnahmen wuchsen ihm jedoch über den Kopf. Als ihn seine Frau verließ, versiegte die Geldquelle. Um einer Zwangsvollstreckung zu entgehen, übergab er das Schloss 1902 im Tausch dem Frankfurter Consortium Junior & Partner, das in den folgenden Jahren den Umbau fertigstellte.
Im Jahr 1910 wurde das Schloss an Dr. Gustav Rohn verkauft, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien. Er beabsichtigte den Besitz sofort aufzuteilen und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Es fanden sich viele Kaufinteressenten, u.a. die Firma Löwenbräu München, die in der Brauerei allerdings nur ein Bierdepot einrichten wollte.
bis
1919
Guts- und Brauereigenossenschaft
Um die Brauerei vor Ort zu erhalten und die Zerschlagung des gesamten Schlossbesitzes zu verhindern, gründeten die Taufkirchener Bürger im Jahr 1917 die Guts- und Brauereigenossenschaft: das Schloss, die Brauerei und der dazugehörige Grund von 800 Tagwerk konnten gekauft werden. Die Brauerei blieb im Eigentum der Genossenschaft und ein Teil der Grundstücke wurde an Bürger verkauft. Das Schloss mit 200 Tagwerk Grund erwarb der Landarmenverband Oberbayern.
Landesarmenverband Oberbayern
Der Landarmenverband Oberbayern erwirbt im November das Schloss, um hier eine Anstalt für pflegebedürftige Menschen einzurichten.
Bevor man dies jedoch in die Tat umsetzen kann, ereignet sich eine Katastrophe.
In der Nacht vom 4. auf den 5. Dezember bricht ein Brand aus, der einen schweren Schaden anrichtet und fast den gesamten Westflügel des
Schlosses zerstört. Es dauert zwei Jahre, bis dieser Gebäudetrakt wieder aufgebaut ist.
Auf dem Bild:
Großer Männerschlafsaal mit 18 Betten, heute Festsaal 1. OG Ostflügel
Landesarmenanstalt
1921 wird die „Landarmenanstalt“ in Betrieb genommen. Der Orden der Elisabethinerinnen aus dem Kloster Azlburg bei Straubing übernimmt die pflegerische Versorgung von hilfsbedürftigen, geistig und körperlich behinderten Menschen.
Ab 1924 wird die Einrichtung als „Oberbayerische Fürsorgeanstalt“, ab 1945 als „Fürsorgeheim des Bezirks Oberbayern“ bezeichnet. Im Laufe der Jahre wird die Einrichtung unter der Trägerschaft des Bezirks Oberbayern auf psychiatrischem Gebiet ständig weiterentwickelt.
NS-Diktatur
1933 waren 261 Personen untergebracht. Mit der NS-Diktatur begann die „dunkle Zeit“ in der Pflegeanstalt.
1940 lebten rund 350 Personen dort. 94 Menschen (57 Männer und 37 Frauen), deren Dasein als „unwertes Leben“ missachtet wurde, sind am 21. Oktober 1940 nach Eglfing-Haar deportiert worden.
68 dieser Schutz- und Hilfsbedürftigen wurden in der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz ermordet. Einige starben einen
qualvollen Tod in den sog. „Hungerhäusern“ in Eglfing-Haar.
Im Gedenken an die Opfer der NS-Krankenmorde wurde im Februar 2022 auf Initiative des Bezirks Oberbayern im Innenhof des Wasserschlosses eine Inschrift angebracht. In Erinnerung an die Deportation findet jedes Jahr am 21. Oktober eine Gedenkstunde für die Opfer statt, zu der das kbo-Klinikum und die Gemeinde Taufkirchen (Vils) ins Wasserschloss einladen.
Vom Bezirkskrankenhaus zum kbo-Klinikum
1970 wurde das „Fürsorgeheim“ in „Bezirkskrankenhaus Taufkirchen“ umbenannt. Mehrere patientengerechte Neubauten wurden nach und nach im Schlosspark errichtet. 1975 mussten auf der Basis der sog. „Psychiatrie-Enquete“ der Bundesregierung viele grundlegende Reformen in der Psychiatrieumgesetzt werden.
1998 wurde die Pflege und psychiatrische Behandlung in den Räumen des Wasserschlosses beendet. Das Schloss stand leer.
2007 überführte der Bezirk Oberbayern seine Kliniken in das Kommunalunternehmen
„Kliniken des Bezirks Oberbayern“ (kbo). Taufkirchen gehört seitdem zu den stationären und teilstationären Kliniken des Bezirks, als Vollversorgungs-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik.
1998 wurde das Huntington-Zentrum gegründet, das größte seiner Art in Deutschland. Ebenso wurde 1998 eine Frauen-Forensik mit 36 Betten aufgebaut. 2007 begann der Neubau von fünf geschlossenen forensischen Stationen,
in denen seit dem Jahr 2011 bis zu 200 Patientinnen im Rahmen des Maßregelvollzugs (§§ 63 und 64, StGB) untergebracht und therapiert werden.
Der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Matthias Dose hat von 1993 bis zu seinem Ruhestand in 2014 diese Entwicklungen entscheidend mitgeprägt.
Gründung des Fördervereins Schloss Taufkirchen e.V.
Gründung des Fördervereins Schloss Taufkirchen (Vils) e.V. Auf Initiative von Josef Niedermeier wurde 1997 gemeinsam mit 50 Personen der Förderverein Schloss Taufkirchen (Vils) e.V. gegründet. Ziel des Vereins ist insbesondere
die Förderung der Denkmalpflege und der Kultur im Wasserschloss.
bis
2010
Nico Forster
Mit dem Auszug der Patient/innen aus dem Schloss (1998) begann eine ungewisse Zukunft. Der Eigentümer (Bezirk Oberbayern) wollte das Bauwerk verkaufen. Der „Förderverein Schloss Taufkirchen e.V.“ wollte das Schloss für kulturelle Zwecke nutzen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Ein Glücksfall für Taufkirchen war Nico Forster aus Guttenburg bei Kraiburg
am Inn. Er war Philosoph und vermögender Unternehmer, sowie regelrecht ein Sammler historischer Gebäude.
Er kaufte im Jahr 2005 das Schloss für den symbolischen Betrag von 1 €, verbunden mit der Verpflichtung, das Schloss auf eigene Kosten zu renovieren. Zudem räumte er der Gemeinde ein im Grundbuch gesichertes Nutzungsrecht für alle Räume im Erdgeschoss sowie im ersten Obergeschoss ein. Mit einer Gruppe von Fachleuten gestaltete er einige Räume in moderner Form- und Farbgebung, wie den Fuggersaal, den Festsaal und den Trauungssaal der Gemeinde. 2006 vermietete er die Räume im zweiten und im dritten Obergeschoss des Westflügels an „SOVIEs Wohnen gGmbH“, eine betreute Übergangs- und Langzeiteinrichtung für 15 psychisch erkrankte Menschen.
Am 16. Februar 2010 verstarb Nico Forster ganz überraschend mit 47 Jahren
an einer schweren Krankheit. Seine Erben entschieden sich, das Schloss zu verkaufen.
2016
Gemeinde als Eigentümer
Am 31. Mai 2016 entschied der Gemeinderat mit Bürgermeister Franz Hofstetter, das Schloss zu
kaufen. Voraus gingen viele Diskussionen und am 28. April 2016 eine Bürgerversammlung, um das Meinungsbild der Bürgerinnen und Bürger einzuholen.
Eindeutig war das Votum, das Schloss mit der Schlossinsel, dem Schlossweiher und der Schlosswiese mit einer Gesamtfläche von 26.369 qm für insgesamt 630.000 Euro zu kaufen. Denn das Wasserschloss war und ist das „Herzstück“ und das historische Zentrum Taufkirchens, sozusagen die Keimzelle, aus welcher der Ort entstanden ist.
Gründung des Kommunalunternehmen Wasserschloss (KU)
Obwohl Nico Forster von 2005 bis 2010 fast 4 Mio. Euro für die Sanierung aufgewendet
hat, sind noch weitere Maßnahmen notwendig. Der Gemeinderat gründete hierfür am 9. Februar 2017 ein Kommunalunternehmen (KU), das unter Berücksichtigung der Vorschriften der Denkmalpflege alle weiteren
Baumaßnahmen durchführen wird. Zielsetzung dabei ist, das Schloss als Zentrum für Bildung, Kunst und Kultur weiterzuentwickeln.
Gründung der Förderstiftung Wasserschloss Taufkirchen (Vils)
2019 wurde die Förderstiftung Wasserschloss Taufkirchen (Vils) gegründet, um den Erhalt des Denkmals und der darin stattfindenden Kulturveranstaltungen zu sichern.
Die Tafel der Gründungs-Stifter befindet sich an der Wand im Durchgang vom Innenhof zur Südterrasse.
Die Schlosskapelle -
Ein sakrales Kleinod
Die um 1620 erbaute Schlosskapelle ist einer der bemerkenswertesten Sakralräume im Landkreis Erding. Im rechteckigen Raum mit den zwei Kreuzgewölben überrascht eine kunstvolle Stuckdekoration aus der Zeit um 1650 mit Motiven der Deutschen Renaissance, vermischt mit italienisch beeinflussten Formen. Einzigartig sind die Akanthus-
Girlanden, die nicht aus Stuckmasse, sondern aus Keramik gefertigt sind.
Der Altar (um 1650) mit reicher Glanzgold-Verzierung gehört stilistisch zur Spätrenaissance und zählt zu den ältesten Altären im Landkreis Erding. Die Kapelle strahlt Größe und Pracht aus. Sie ist der einzige Raum im Schloss, der über die Jahrhunderte hinweg komplett erhalten blieb. Die Muttergottes mit dem Jesuskind bildet den Mittelpunkt des Altars. Darüber thronen Gott Vater mit der Weltkugel und der Hl. Geist. Seitlich wird die Gottesmutter von der Hl. Katharina (rechts) und der Hl. Barbara (links) umrahmt.
Das Fugger-Wappen (rechts oben) gibt einen Hinweis auf die Entstehung der Kapelle in der Zeit der Fuggerherrschaft (1554–1672). Zu den ältesten Ausstattungs-Gegenständen zählt das gotische Tafelbild „Kreuztragung Christi“ im Oratorium, das um das Jahr 1500 nach niederländerischer Manier auf Holz (mit Naturfarben) gemalt und 1976 restauriert wurde.
Der Heilige Viktor -
Früher Ziel vieler Wallfahrer
In der Schlosskapelle befinden sich im unteren Teil des Altars die Gebeine des Hl. Viktor. Adam von Puech ließ sie im Jahr 1695 von Rom nach Taufkirchen überführen. Dies sollte Taufkirchen zu einem gut besuchten Wallfahrtsort machen, mit dem Nebeneffekt der Umsatzsteigerung für das im Jahr 1642 erbaute Bräuhaus. Viktor war römischer Soldat und christlicher Märtyrer, gestorben in der Zeit der Christenverfolgung durch Marc Aurel um das Jahr 177. Er war ein sog. „Katakomben-Heiliger“.
Viel Mühe wurde auf die Zierde und Ausschmückung verschiedener Einzelheiten des Schreins verwendet. Dazu zählen eine Ampel mit reich verzierter Aufhängung, die vergoldeten Säulen an den vier Ecken, Borten und goldene Zierleisten. Das gänzlich vorhandene Skelett, den Kopf auf ein Seidenkissen gebettet, wurde in sog. „Klosterarbeit“ mit Seidenbändern, Goldborten, Perlen und bunten Glassteinen verziert.
Der Silberschatz -
Votivgaben der Wallfahrer
Silber-Votivgaben in der Kapelle bezeugen, dass es auf die Fürsprache des Hl. Victor offensichtlich zu Gebetserhörungen kam. In Silberblech getriebene Motive, wie u.a. ein Arm, ein Fuß, ein Augenpaar und mehrere Herzen, geben Aufschluss über die jeweilige Notsituation oder Krankheit der Gläubigen.
Die Votivgaben gelten gemeinsam mit einer silbernen Altargarnitur um 1780 und vielen anderen Gegenständen als „Silberschatz der Kapelle“. Herausragend ist dabei die prächtige Silberstatuette der Gottesmutter, ähnlich dem Typus der Münchner Mariensäule, als Immaculata auf schlangenumwundener Weltkugel.
Der Silberschatz stellt ein einzigartiges, unberührtes Zeugnis der barocken Wallfahrtsfrömmigkeit in Altbayern dar. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass sich zur Zeit der Säkularisierung (ab 1803 Verstaatlichung von Kirchengütern) die Schlosskapelle in Privateigentum des Schlossherrn befand und deshalb der Schatz an Silber-Votivgaben und Silbergerät nicht an die kurfürstliche Münze in München zum Einschmelzen abgeliefert werden musste.
Öffnungszeiten:
Die Schlosskapelle ist bei Märkten im Wasserschloss geöffnet. Gruppen können auch eine Führung durch die Schlosskapelle im Rathaus Taufkirchen (Vils), Tel. 08084 37-28, buchen.



